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Das Beziehungsquadrat – ein langer Weg, Teil I

Gute Therapeuten machen ihr eigenes Ding – immer. Manche helfen vielen anderen Menschen und sind zufrieden damit, ohne jemals Bekanntheit zu erlangen. Wieder andere analysieren ihr eigenes Tun und formulieren daraus Ideen, Systeme oder beginnen breit zu forschen. Und schreiben dann Bücher, bilden andere Therapeuten aus oder halten Vorträge. Das bedeutet, dass es als Therapeut immer etwas zu lernen gibt. Über das, was andere schlaue Therapeuten denken oder praktizieren. Und vor allem gibt es eine Menge über uns selbst zu lernen. Denn das ist uns irgendwann aufgefallen: Die Therapeuten, die wir selbst mögen, beschäftigen sich viel mit sich selbst. Nicht vor einem narzisstischen oder egoistischen Hintergrund (das gibt es natürlich auch), sondern immer aus menschlicher Neugier. Getreu dem Motto: Erkenne dich selbst! Denn wer sich selbst einigermaßen kennt, kann auch andere darin unterstützen, sich selbst zu erkennen. Und das wiederum ist wichtig, wenn wir als Therapeuten tätig sind.

Nähe & Distanz bilden ein Spektrum

Der nächste Punkt ist, dass wir die Interaktion mit den Menschen, die uns konsultieren, an die erste Stelle setzen. Unser Wirken ist persönlich, pragmatisch und individuell – immer bezogen auf den Menschen, mit dem wir arbeiten. Ein Konzept, bestimmte Prinzipien, die bei einem Menschen funktionieren, können beim nächsten überhaupt nicht funktionieren. Für uns bedeutet das, dass die Theorie, ein Regelwerk, die Analyse immer im Hintergrund, oft erst im Nachhinein stattfindet. Jede Therapie ist individuell und sehr persönlich – und eben kein System, kein Konzept oder ein Manual, eine technische Bedienungsanleitung. Einer der berühmtesten Therapeuten (Milton Erickson) hat es ungefähr so auf den Punkt gebracht: ›Wenn ich mit dir arbeite, habe ich dich in mir. Und wenn ich mit einer anderen Person arbeite, habe ich diese Person in mir. Es geht um unsere individuelle Reaktion auf ein Individuum.‹ Und wenn diese Reaktion echt, mitfühlend, aber auch fordernd und mitunter konfrontierend ist, entsteht so etwas wie therapeutischer Erfolg.

Wir alle haben ein unterschiedliches Bedürfnis nach Nähe & Distanz

Gute Berater und Therapeuten sind Akteure, Improvisations-Künstler, die den Moment, die Stimmung, die Menschen erfassen und darauf eingehen, einwirken. Immer in Richtung eines Ziels. In unserem Fall haben wir das viele Jahre, viele tausend Mal getan. Und natürlich sind wir neugierig: Warum funktioniert das, warum kann ich einem Menschen helfen? Und dabei haben wir immer Interesse daran, Regelmäßigkeiten, gute Gründe zu finden, sozusagen über die Jahre ein theoretisches Haus zu bauen. Das in unserem Fall – zugegeben – sehr frei und offen gebaut ist, aber eben nach den Grundsätzen wie ein Haus eben ist. Mit einem Fundament, tragenden Elementen, Flächen, Räumen, Fenstern, Türen, einem Dach etc.

Auch Unternehmer:innen gehen zur Therapie. Und so ist es irgendwann passiert: Das Telefon klingelt und eine unserer Kund:innen fragt, ob wir uns vorstellen können, mit einem konflikthaften Team zu arbeiten. Was wir wiederum bejaht haben und nun sind wir hier.

Wenn der Abstand stimmt, können wir uns öffnen – wenn nicht, dann nicht

Was ist passiert? Wir sind nicht wie Therapeuten aufgetreten – wir hätten auch gar nicht gewusst, was das bedeutet oder wie das aussehen sollte – sondern sind wie immer vorgegangen: Los geht’s, immer ran an die Menschen 😊 In der beschriebenen Situation und in allen folgenden mit unterschiedlichen Aufträgen und Voraussetzungen haben wir immer das gleiche getan: Wir haben uns auf die Gefühle und die Beziehungen konzentriert. Das bedeutete für uns, zu jedem beteiligten Menschen erst einmal eine persönliche Beziehung aufzubauen, sich gegenseitig kennenzulernen und Raum für Befindlichkeiten und Gefühle zu schaffen. Das erzeugt Vertrauen für die wirklichen Schwierigkeiten und eine Art menschlicher Nähe, die Offenheit und Ehrlichkeit zulässt. Das wirkt im ersten Moment immer umständlicher und zeitintensiver als sich gemäß eines Auftrags zielgerichtet an eine Aufgabe zu machen. Aber was bleibt denn auch, wenn es um Konflikte, Probleme oder stockende Prozesse geht?

Flexibilität im Spektrum von Nähe & Distanz...

Denn das konnten wir immer wieder beobachten: es gibt Probleme und aus Angst oder Überforderung oder einer Mischung aus beidem wird irgendwie technisch um das Problem herum gearbeitet. Es gibt Schulungen oder es werden Dinge verordnet, es wird umstrukturiert oder es muss jemand Schuldiges gefunden werden. Die Situation ist dann die folgende: Das Haus brennt! Und die Antwort darauf: Es gibt Schulungen wie sich Feuer vermeiden lässt. Oder es wird verordnet, dass sich alle so verhalten sollen, als würde das Haus doch nicht brennen. Oder es muss ganz unbedingt der vermeintliche Brandstifter gefunden werden. Aber was dann? Das Haus brennt doch immer noch!?

...nennen wir soziale Kompetenz

Als Berater gehen wir immer auf die Beziehungsebene. Wir ermöglichen allen eine gute Beziehung zu uns, um dann zu schauen, wie wir gemeinsam, gesund, mit Respekt und Mitgefühl Lösungen finden können, die für alle im Sinne eines gegebenen Auftrags funktionieren. Denn das ist das kleine Wunder, das immer wieder geschieht: Es funktioniert! Egal ob Team, Konzernleitung, Führungskraft oder einzelner Mitarbeiter – unabhängig von Konflikten, Team-Empowerment, Nachfolge, Unternehmenskultur oder Führung. Das, was stockt, kommt wieder in Bewegung, das, was fehlt, wird wieder deutlich und greifbar. Das, was spannt, wird wieder geschmeidig, das, was scheitert, funktioniert wieder.

Sie ist immer individuell - und kompliziert zu beschreiben

Das haben nicht nur wir, sondern auch unsere Auftraggeber bemerkt. Und diese haben uns immer wieder gefragt: Was macht ihr da? Wie funktioniert das? Warum funktioniert das? Nun, wir haben uns diese Frage zu Herzen genommen und sind ihr lange nachgegangen. Denn das eine ist, über eigene Vorgehensweisen, eigenes Wissen und Können zu verfügen. Aber eben etwas ganz anderes, es anderen so zu erklären, dass sie davon profitieren können. Und das ganze auf eine Basis zu stellen, die wissenschaftlich (einigermaßen) valide ist und darauf basiert, persönliche Konzepte zu zitieren und zu skizzieren, an denen wir uns selbst orientieren. Damit es nachvollziehbar und anwendbar ist. Und so beginnt die Geschichte zu unserem Buch, dem Beziehungsquadrat. Irgendwann im Jahr 2017...

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Bella & Chrisch Leisten

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