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Warum es sich für Unternehmen lohnt, in Arbeitsbeziehungen zu investieren


Jährlich lassen sich Firmen Milliarden entgehen, weil ihre Mitarbeiter:innen unzufrieden sind und sich mit ihrem Arbeitgeber emotional nicht verbunden fühlen. Wir haben ein Modell entwickelt, um Teambeziehungen zu verbessern – ohne sich dafür zwangsläufig mehr mögen zu müssen.


Seit einigen Jahren entsteht und manifestiert sich ein neues Wissen in Bezug auf unsere Arbeitswelt: Neue Technologien, unser Wohlstand und demographische Entwicklungen haben einen Strukturwandel hervorgerufen, der nicht nur Unternehmen in Deutschland, sondern weltweit beschäftigt. New Work, Agilität, XYZ-Leadership – plötzlich ploppen überall neue Begriffe und Trends auf, mit denen sich Unternehmen auseinandersetzen sollen. Faktoren wie Potenzialentfaltung, Work-Life-Balance, flexible Arbeitsgestaltung sowie das Einbeziehen des Personals in Entscheidungen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die Veränderungen bieten Chancen, führen aber auch zu Verunsicherung.

Die meisten dieser Ansätze eint, dass sie die emotionale Bindung eines Mitarbeiters an seinen Arbeitgeber als essenziellen Faktor herausarbeiten. Angepackt wird das Thema jedoch in den wenigsten Führungsetagen. Mehr als fünf Millionen Arbeitnehmer:innen (16 Prozent) haben ihren Job bereits innerlich gekündigt und besitzen keine emotionale Bindung (mehr) zum Unternehmen. Das geht aus dem Gallup Engagement Index hervor, eine der größten und bekanntesten Studien zum Thema Arbeitszufriedenheit in Deutschland.



Der Anteil der emotional hoch gebundenen Angestellten ist laut den aktuellsten Untersuchungen aus dem Jahr 2019 in Deutschland nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. Nur 15 Prozent der Beschäftigten weisen hierzulande eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber auf und gehen ihrer Tätigkeit mit Herz und Verstand nach. 69% der Beschäftigten machen nur noch Dienst nach Vorschrift. Diese Unzufriedenheit hat wirtschaftliche Konsequenzen: Berechnungen zufolge verursacht die innere Kündigung von Mitarbeiter:innen einen jährlichen volkswirtschaftlichen Schaden von bis zu 122 Milliarden Euro.

An dieser Stelle kommen wir ins Spiel. Denn obwohl fast alle in der Arbeitswelt mittlerweile die Tragweite dieser Erkenntnisse registriert haben, werden die Themen Beziehungen, Bindung und Zufriedenheit oftmals nur äußerlich behandelt. So wird umetikettiert – es heißt jetzt „Human Relations“ anstatt „Human Resources“, weil es weicher klingt. Es gibt kostenlose Obstkörbe, Nackenmassagen und Kickertische. Werbesprüche preisen Arbeitgeber als „new“ oder „loud“ an, um Fachkräfte zu gewinnen.

Ähnlich ist es mit kurzfristigen Prozessumgestaltungen. Nur, weil wir Verantwortlichkeiten hin- und herschieben oder uns am Ende eines Arbeitstages austauschen, bedeutet das nicht, dass wir uns tatsächlich besser verstehen oder es uns besser geht. Wir haben nichts gegen Agilität, Feedbackrunden und Wohlfühlangebote. Doch das Ganze geht eben nicht weit genug.

Viele dieser Ansätze sind letztendlich Management-Techniken, die Arbeitsabläufe neu

modellieren und Befindlichkeiten verbessern.

Aber um eine hohe emotionale Bindung zu erzielen, sind diese Ansätze nicht grundsätzlich und nicht komplex genug. Es bedarf der tiefergehenden Auseinandersetzung mit den Dynamiken eines Teams und der Art und Weise wie wir sozial interagieren. Dafür fehlt häufig der Wille oder das richtige Handwerkszeug.

Wenn wir miteinander umgehen, existieren immer zwei Bereiche: die Sach- und die Beziehungsebene. Das ist im Privaten so und dessen können wir uns auch im Beruflichen nicht entziehen. Auf der Sachebene geht es um Informationen, Formalia, Fakten, Wissen oder Gesetze. Auf der Beziehungsebene wiederum um Gefühle und Stimmungen – das, was wir spüren können, wenn wir miteinander kommunizieren und uns aufeinander beziehen. In einem idealen Team herrscht ein Gleichgewicht dieser beiden Ebenen. Unserer Erfahrung nach wird sich in der Arbeitswelt, unabhängig von Hierarchien, Unternehmensformen, Branchen und Kunden jedoch viel zu sehr auf die Sachebene fokussiert, obwohl Probleme auf der Beziehungsebene zu einer mangelnden Leistungsfähigkeit führen können. Starke Beziehungen sind in der Lage, eine schwache Sachebene zu kompensieren – andersherum ist dies jedoch nicht möglich.

Beziehungen verstehen, gestalten und verbessern

Leider gibt es keine Geheimformel und auch kein ultimatives Erfolgsrezept, das zeigt, wie Beziehungen im Team mit einfachen Mitteln von jetzt auf gleich verbessert werden können. Dafür sind sie zu dynamisch, abwechslungsreich und abhängig vom jeweiligen Menschen. Trotzdem gibt es die Möglichkeit, sich gewisse Aspekte zu verdeutlichen und mit diesen eine Beziehung zu verstehen und zu gestalten. In den vergangenen Jahren haben wir viele Erkenntnisse und Zusammenhänge aus der Therapie und Psychologie auf den Bereich der Arbeit übertragen und ein universelles Modell für Beziehungen bei der Arbeit entwickelt: das sogenannte Beziehungsquadrat, bestehend aus vier Seiten:



Mithilfe dieser vier Punkte können wir Beziehungen in Teams bei der Arbeit maßgeblich beeinflussen und gestalten. Das Beziehungsquadrat bietet dabei vier bedeutende Perspektiven, um sich in Beziehungen zu orientieren und spezifische Situationen zu analysieren, um eine soziale Interaktion zu begreifen und am Ende zu erkennen, welche Schritte für eine Veränderung sinnvoll sind.

Wir haben uns für ein beschreibendes und kein klassisches Ursache-Wirkung-Modell entschieden. Warum? Weil es einfacher für uns und unser Gegenüber ist, unsere Gedanken, Gefühle und Annahmen zu beschreiben und mitzuteilen, anstatt Ursache-Wirkung-Argumente vorzubringen – die meistens damit zu tun haben, dass der andere falsch liegt oder einen Fehler gemacht hat. Das Gute dabei ist: Wenn wir das begriffen haben und die einzelnen Aspekte hinterfragen und durchblicken, können wir unsere Zusammenarbeit verbessern und unser Wohlbefinden steigern, OHNE, dass wir dafür unsere Kollegen mehr mögen müssen oder jemand die Schuld zugewiesen bekommt.

So weit, so gut. Doch jetzt folgt das Aber: Es ist Arbeit. Es gibt dafür keine App, keine Abkürzung, keinen Benefit, den man kaufen kann. Es lässt sich auch nicht delegieren. Wir müssen dieses Wissen selbst lernen und anwenden, in uns hineingehen und an uns arbeiten. Wir haben schon sehr viele Unternehmer:innen und Führungskräfte getroffen, die es lieben über Veränderungen, Träume oder neue Ziele zu sprechen. Die erkennen, wie viel Potential in einem beziehungsorientierten Ansatz steckt. Wenn es dann allerdings an die konkrete Umsetzung geht, hören wir immer wieder Argumente wie: keine Zeit, die Kosten zu hoch, Problem ist gar nicht so wild oder ähnliches.

Dahinter steckt Angst, sich selbst, die eigenen Empfindungen und das Verhalten hinterfragen zu müssen und einen Einblick darin zu erhalten, wie es meiner Belegschaft oder meinen Kollegen:innen tatsächlich geht.

Natürlich spielt auch die Sorge eine Rolle, dadurch Macht und Kontrolle zu verlieren. Doch wer die genannten Untersuchungen zu dem Thema ernst nimmt, weiß, welche enormen Vorteile ein Umdenken mit sich bringt.

Bei emotional hoch gebundenen Mitarbeiter:innen erhöht sich laut Gallup-Studie die Wahrscheinlichkeit, dass sie als Markenbotschafter für Produkte und Dienstleistungen des eigenen Unternehmens fungieren, dass sie ihr Unternehmen als Arbeitgeber weiterempfehlen und ihm selbst langfristig erhalten bleiben.

Wir sind überzeugt davon, dass wir einen maßgeblichen Schlüssel formuliert haben, der dazu beiträgt, unsere Arbeitswelt zu verbessern. Auf der einen Seite indem wir besser miteinander zurechtkommen (ohne uns mehr mögen zu müssen) und mehr von unserer Persönlichkeit in unsere Arbeit einbringen. Was wiederum zu mehr Wohlgefühl, Stressresistenz und Gesundheit führt. Auf der anderen Seite können wir durch positive Beziehungen über uns selbst hinauswachsen – also Leidenschaft, Motivation und Power generieren. Und das wiederum ist letztlich das Gegenteil von innerer Kündigung und Dienst nach Vorschrift.

Wer mehr zum Beziehungsquadrat und den damit einhergehenden Dynamiken wissen möchte, kann ab sofort unser erstes Buch „Teambeziehungen positiv gestalten“ vorbestellen. Es erscheint am 09. Oktober im Schäffer-Poeschel Verlag und ist hier vorbestellbar.

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Bella & Chrisch Leisten

BOM - Beziehungsorientiertes Management GbR

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